Anna die vergessene “Taubblinde”

War Anna Tennermann die erste unterrichtete taubblinde Frau?

Die sonderpädagogische Geschichtsschreibung klammert weitgehend die Entwicklung der Taubblindenpädagogik aus. Dies ist durch zwei Tatsachen zu erklären. Zum einen durch eine nicht allzu große Anzahl von Betroffenen im intra-sonderpädagogischen Vergleich, was auch dazu verleitet, Desinteresse für die Historie der Behinderungsart zu entwickeln, weil sie als nicht wichtig erscheint. Zum anderen aufgrund der mangelnden Lobby dieser Menschen, zumindest bis Helen KELLER sie salonfähig gemacht hat. Auf Grund des vorliegenden Desinteresses wird die Suche nach den noch vorhandenen Quellen erschwert. Dies mag dazu geführt haben, daß sowohl die Taubblinde Anna TENNERMANN als auch ihr Lehrer Abbé CARTON in Vergessenheit geraten oder durch die neuzeitliche Geschichtsschreibung nicht entdeckt worden sind. So schreibt Hubert CARDINAUX noch im Jahre 1992: “Abbé HAÜY (1745-1822), Begründer der Reliefschrift für Blinde, war vom Amerikaner Dr. Samuel Gridley HOWE besucht worden. In die USA zurückgekehrt, wurde HOWE Direktor des 1829 gegründeten ´Perkins-Blindeninstituts´. Er fand 1837 in Laura BRIDGMANN seine erste taubblinde Schülerin” (657).
Ähnlich schreiben auch andere Autoren und nennen BRIDGMANN als erste taubblinde Schülerin. Dabei wird die Existenz von Anna TENNERMANN gänzlich verschwigen. Anna TENNERMANN wurde 1818 im belgischen Ostende blind geboren, kurz danach ertaubte sie (vgl. JACOBI 1912, 9; HOPPE
1913, 71). Ihrer Erziehung bis etwa zum 20. Lebensjahr haben sich die Tante und die Großmutter angenommen (vgl. HOPPE 1913, 71). Da CARTON ihr Lehrer in der von ihm gegründeten Anstalt sein sollte, kann man auch annehmen, daß sie im Jahre 1836 in dieser untergebracht werden konnte, denn die Entstehung der Taubstummenanstalt zu Brügge, die ihm ihr Dasein verdankt, ist auf 1836 datiert worden (vgl. GRÈGOIRE 1902; 192). Dies wiederum könnte bedeuten, daß Anna TENNERMANN schon im Alter von 18 Jahren in der Einrichtung Unterbringung und Unterweisung finden konnte. Vor dem
Eintritt in die Anstalt wurde sie von ihrer Umgebung für idiotisch gehalten, und somit beschränkten sich ihre Fähigkeiten auf das Spielen mit Puppen (HOPPE 1913, 71). In der Taubstummenanstalt unter der Leitung von CARTON machte sie aber große Fortschritte “…sie lernte stricken und nähen und
verfertigte allmählich mit Sorgsamkeit ihre eigenen Kleider. Mit Hilfe von Relief-Buchstaben, die ihr Lehrer drucken ließ, lernte sie lesen und verband allmählich die Buchstaben zu Worten, an denen ihr Begriffsvermögen sich bildete. Ein großes Hindernis des Unterrichts war ihre Unbändigkeit. Sie
vernichtete alles, was ihr nicht gefiel: ihre Verteidigungsmittel, sagt CARTON, waren ihre Hände, Füße und Nägel, wovon sie reichlich Gebrauch machte. Mit fortschreitendem Unterricht lernte Anna ihre Unart bekämpfen und wurde ein gesittetes Mädchen. Auch die Braille-Schrift lernte Anna und brachte es im Schreiben und Lesen zu einer bemerkenswerten Fertigkeit” (HOPPE 1913, 71). Dieser Beschreibung nach muß Anna TENNERMANN in die bisher bekannte Reihe von gebildeten Taubblinden einbezogen werden. Anna TENNERMANN ist am 26.09.1859 gestorben (vgl. BRANDSTAETER / MELL 1915, 131). Ihr Lehrer hat im gleichen Jahr eine Schrift: ´Mort de l`aveugle sourde-muette Anna´ über sie veröffentlicht (vgl. BRANDSTAETER / MELL1916, 94).

Literatur
BRANDSTAETER, A./MELL, A.: Geschichtstafel des Blinden-Bildungs- und Fürsorgewesens. In: Der Blindenfreund 35 (1915) 128-132
BRANDSTAETER, A./MELL, A.: Geschichtstafel des Blinden-Bildungs- und Fürsorgewesens. In: Der Blindenfreund 36 (1916) 92-95
CARDIMAUX, H.: Taubblindenpädagogik. In: Dupuis, G. / Kerkhoff, W. (Hrsg.): Enzyklopädie der Sonderpädagogik, der Heilpädagogik und ihrer Nachbargebiete. Berlin 1992
GRÈGOIRE, E: Belgien. In: Karth, J.: Das Taubstummenbildungswesen im XIX. Jahrhundert in den wichtigsten Staaten Europas. Ein Überblick über seine Entwicklung. Breslau 1902
HOPPE: Die Fürsorge für die Taubstummblinden in Deutschland und das Taubstumm-blindenheim in Nowawes. In: Matthies, I.: Deutsche Blinden Anstalten in Wort und Bild. Halle a. S. 1913 J
JACOBI, E.: Der Taubstummblinden-Unterricht. Westpreußische Schulzeitung. Danzig 1912

Diesen kurze Abhandlung möchte ich vielen guten Freunden/Innen und Kollegen/Innen, die mich begleitet und mir oft eine Hilfe haben zukommen lassen.
Einige werde ich wohl sehen, einige vermisse ich sehr, einige stehen nur vor meinem geistigen Auge und leben im meinem Herzen weiter. Danke für alles, Frohe Weihnachten.

Eurer Ireneus

naturbilder

nordseetiere

Über:

CWSS
Herr Ireneus Dr. Lakowski
Walpurgisstraße 7a
26427 Esens
Deutschland

fon ..: 04971047730
web ..: http://www.xn--frderschule-esens-zzb.de/
email : foerderzentrumesens@yahoo.de

Die Christian-Wilhelm-Schneider Schule Esens ist eine Schule, an der man sich
wohlfühlen soll, d.h. das Zentrum eines harmonischen und qualifizierenden
Miteinanders beim Lernen und Lehren.
Unsere ,,Wohlfühlschule” meint, dass es ein kommunikatives Miteinander von
Lehrerinnen, Lehrern, pädagogischen Mitarbeiterinnen und Therapeutinnen und
Therapeuten sowie Schülerinnen und Schülern geben soll, geprägt durch ein Klima der
Wertschätzung und Toleranz. Wir sehen es als wichtig an, allgemeine Werte zu
vermitteln wie:
Zuverlässigkeit, Vertrauen, Pflichtbewusstsein, soziale Kompetenz,
Konfliktbewältigung und Toleranz, dazu haben wir die Schulregeln, die von den
Schülern selbst aufgestellt wurden und ein Belohnungssystem, dass das Einhalten
dieser Regeln honoriert.
Um in unserer Schule eine helle und lebensfrohe Atmosphäre zu vermitteln, finden
monatlich ,, Belohnungsveranstaltungen” statt, die kleinen Schulfesten entsprechen.
Zudem finden auch jährlich wiederkehrende große Schulveranstaltungen, wie der
Flohmarkt, statt.
Qualifizierendes Miteinander meint, die Schüler gemäß ihrer individuellen Fähigkeiten
zu stärken und zu fördern.
Dazu gehört im Bereich Lernen zum einen das Vermitteln und Trainieren von
Kulturtechniken, zum anderen auch hier das Angebot lebenspraktischer und
berufsvorbereitender Maßnahmen.
Für die Schüler im Bereich ,, Geistige Entwicklung” ist es notwendig, im Schonraum
lebenspraktische Erfahrungen zu machen und sie ihren Fähigkeiten entsprechend zu
fördern.
Es heißt aber auch, dass das Kollegium sich ständig weiterbildet und neue
pädagogische Konzepte in die Arbeit mit einbezieht.

Pressekontakt:

CWSS
Herr Ireneus Dr. Lakowski
Walpurgisstraße 7a
26427 Esens
fon ..: 04971947730
web ..: http://www.xn--frderschule-esens-zzb.de/
email : foerderzentrumesens@yahoo.de